Projekt:  Rothenburg o.d.T., Stöberleinsbühne Bald geht es mit dem Ausbau weiter
Jahr:  Rothenburger Nachrichten vom 16.02.2009
Auftraggeber:  Das Historische Festspiel "Der Meistertrunk", Rothenburg o.d.T.
Kategorie:   Presseberichte
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Festspiel vervierfacht die Sitzplätze der Freilichtbühne Stöberleinsturm
Bald geht es mit dem Ausbau weiter


Winter an der
Stöberleinsbühne -
aber schon bald
beginnt der Ausbau.
Foto: Weber
ROTHENBURG - Noch in diesem Jahr soll die Zuschauerkapazität der Freilichtbühne Stöberleinsturm mehr als vervierfacht werden und schon bis zum Sommer mit seinen erweiterten Plätzen wieder bespielbar sein. Federführend bei den Ausbauplänen ist der Festspielverein "Der Meistertrunk", der für das Traditionsstück um Nusch und Tilly erstmals zu Füßen der Reichsstadthalle bereits zwei Aufführungen im Juli ins Auge gefasst hat.

Genau 779 Zuschauer sollen nach den Ausbauplänen von Architekt Andreas Konopatzki im Theater am Wehrgang Platz finden. Derzeit kommen dort 183 Zuschauer unter. Wie berichtet, hat die Beschäftigungsinitiative "Projektschmiede" im vergangenen Frühjahr das hängige Gelände der Mulde am Stöberleinsturm im etwas flacheren südöstlichen Bereich terrassiert und mit Bankreihen versehen.

Der Ausbau des etwas steileren Abschnitts zur Schafscheune hin und die Ergänzung der bisherigen Bankreihen im darüber liegenden Geländeabschnitt sollen jetzt zusammen fast 600 weitere Plätze bringen, zehn davon für Rollstuhlfahrer, für die eine Art Rampe angelegt wird. Erheblich enger und viel steiler als auf der gegenüber liegenden Seite werden die Bankreihen im zweiten Bauabschnitt stehen, kündigt der Planer an.

Wieviel die Abrundung des Platzangebots samt der erforderlichen Geländearbeiten kosten wird, ist im Vorfeld schwer abzuschätzen. "Wenn das normal über Firmen laufen würde, müsste wohl mit fast 200000 Euro gerechnet werden," betont Planer Andreas Konopatzki, der bei den Arbeiten auch diesmal wieder für die Bauaufsicht vorgesehen ist.
Aber das Festspiel, das in diesem Fall offiziell der Bauherr ist, kann sich eine solche Ausgabe nicht im Entferntesten leisten. Man setzt deshalb ganz stark auf den Faktor Eigenleistung, um so die Kosten auf ein absolutes Mindestmaß zu begrenzen. "Wir wollen das ehrenamtlich machen," sagt Festspiel-Vorsitzender Harald Krasser, wobei er es natürlich besonders gern sähe, wenn möglichst viele der Mitglieder in die Hände spucken und mit hinlangen.

Als Modell für die kostengünstige Ausführung darf der vorausgegangene Abschnitt gelten. Die Stadt ist mit gerade mal 4000 Euro Materialkosten extrem günstig gefahren. Geld- und Sachspender sowie die Übernahme eines beträchtlichen Teils der Arbeitskosten durch die Agentur für Arbeit haben dazu beigetragen. "Normal über Firmen abgerechnet hätte das wohl zwischen 80000 und 90000 Euro gekostet," schätzt Konopatzki.
Aktivposten wird, wie beim ersten Bauabschnitt, Helmut Sudler sein, und zwar gleichzeitig als Sachverständiger und als Ausführender an vorderster Front. Er habe das Setzen von Natursteinen noch von seinem Vater Rudolf Sudler gelernt, einem Maurer, erzählt der Elektriker und freut sich schon auf die neue Herausforderung.

Die neu hinzukommenden Ränge würden in der Art einer Weinberg-Trockenmauer anlegt und dabei werde er das erworbene Fachwissen und auch das Gefühl für den richtigen Stein am richtigen Fleck gut brauchen können, betont er. Alles ist Handarbeit, von daher relativ aufwändig und zeitintensiv. Aber er werde nach Feierabend und an den Wochenenden mit vollem Einsatz ans Werk gehen, damit die angepeilten Festspiel-Aufführungen im Juli stattfinden können, und sei es auch nur mit einem ersten fertigen Teil der zur Erweiterung anstehenden Zuschauerränge.
Die großen Natursteine, die er als wesentliches Baumaterial braucht, hat er jedenfalls schon zum Teil beisammen. Sie stammen aus Umbauten in der Altstadt und sind am Schuttplatz Reutsächser Steige abgelagert worden. Dort sucht sich Sudler heraus, was er gut für das kommende Projekt brauchen kann: "Vor Ort wird dann alles Stück für Stück zusammengesetzt."

Ideal wäre für ihn, wie er zu verstehen gibt, wenn sich dazu jene Voraussetzungen fänden, die beim Natursteinmauern ein gutes Vorwärtskommen bei bestem Resultat gewährleisten: diese besondere Mischung eben. Damit meint er einerseits auf sich gestellt sein zu dürfen und gleichzeitig auch auf Zuarbeiter setzen zu können, die mit ihm an einem Strick ziehen, je nach Bedarf kräftig vorwärtstreibend und auch einmal geduldig knobelnd, wenn die Suche nach dem passenden Stein einmal etwas dauert.
Festspiel-Vorsitzender Harald Krasser zeigt sich, nachdem die Stadt grünes Licht für die Erweiterung gegeben hat, erfreut über die neuen Perspektiven für seinen Verein. Wenngleich die Eigenleistung und das Rekrutieren von Zuwendungen natürlich eine Herausforderung für sich sind.

Abgesehen von besonderen Gelegenheiten, wie beispielsweise zu den Feiern beim 125-jährigen Festspiel-Bestehen im Sommer 2006, als vor dem Rathaus eine Tribüne aufgebaut war, wird "Der Meistertrunk" in Rothenburg grundsätzlich unter Dach gespielt. Die Aufführungen finden alle im Kaisersaal statt, wo 326 Sitzplätze zur Verfügung stehen. In den letzten Jahren ist es zunehmend schwieriger geworden, die Zuschauerplätze dort zu füllen.
Mit der erweiterten Stöberleinsbühne stehe ein völlig neuer, überaus ansprechender Schauplatz zur Verfügung. Das Spiel um die Legende von der Errettung der Stadt vor Plünderung und Brandschatzung durch die kaiserlichen Truppen könne in dieser schönen Umgebung und dazu noch unter freiem Himmel ganz neue Reize entfalten, sagt Kasser.

Der Stöberleinsbühne ist er stark verbunden, und zwar auch per Vertrag. Für den weiteren Ausbau gibt es eine Vereinbarung zwischen Stadt und Festspiel. Für die Nutzung der Bühne besteht ein Vertrag zwischen der Stadt und dem Kulturforum. Beim Kulturforum ist der Festspiel-Vorsitzende Vorstandsmitglied und für die Nutzung der Stöberleinsbühne zuständig.
Zur technischen Ausstattung der einem Amphitheater ähnelnden Anlage gibt es unterschiedliche Überlegungen. Stadtrat Hans-Peter Nitt (FRV) hat zuletzt im Sitzungssaal des Rathauses, als Peter Schaumann (CSU) angesichts der Ausbaupläne die Bühne zu den Reichsstadttagen am liebsten gleich für die Stadtpfeifferey fest buchen wollte, auf die bisher nicht besonders gute Akustik am Stöberleinsturm hingewiesen. Helmut Sudler rät von irgendwelchen Versuchen, dies auszugleichen ab, bevor alles fertig ist: "Das Problem wird sich eventuell durch die hinzukommenden Steinreihen erledigen."

Eine professionelle Anlage mit allem Drum und Dran für Licht und Ton könnte sich der finanziell ziemlich strapazierte Festspielverein nicht leisten. Krasser und seine Leute suchen nach neuen Einnahmequellen. Ein Eintritt in die Altstadt für alle Aktivitäten dort vom Heereszug bis hin zum Pikett ist im Gespräch. In Dinkelsbühl bei der Kinderzeche gibt es einen solchen Obolus schon seit langem. An den Toren und Zugängen wird kassiert.
ww, 16.02.2009
Link zum: Fränkischen Anzeiger

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