Behutsame Sanierung des Anwesens Judengasse 14 vorgestellt
Junges Leben in alten Mauern
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Maja und Andreas
Konopatzki, Regina Däschner
und Horst Brehm (v. l.)
Foto: Hirschberg
| ROTHENBURG - Obwohl das Haus in der Judengasse mit der Nummer 14 im Torbogen noch alle Anzeichen archäologischer Forschungsarbeit zeigt, weht schon ein ahnungsvoller Hauch von zukünftiger Behaglichkeit durchs Erdgeschoss und die zwei Stockwerke.
Andreas Konopatzki, Rothenburger Architekt und Ausschussmitglied des Vereins Alt-Rothenburg, führte unlängst mit Töchterchen Maja (der "jüngsten Bauherrin der Judengasse") auf dem Arm zu einem Vorgespräch für den "Tag des offenen Denkmals" am 14. September durch das Haus und erläuterte seine Zukunftspläne: "An eine junge Familie mit zwei Kindern oder ein Paar mit Kinderwunsch möchte ich die Wohnräume vermieten", sagt er.
Das Anwesen (in den 80er Jahren eine Spenglerei, bis vor drei Jahren Privatbesitz, bis zum Ankauf leerstehend) erwarb er Ende 2007 und stellte es aus denkmalschützerischer Überzeugung zunächst einmal für Forschungen zur Entstehungs- und Baugeschichte zur Verfügung: "Das hat man selten, dass ein Hausbesitzer so viel Zeit und Eigeninteresse für unsere Grabungen zur Verfügung stellt", erzählen die Archäologen Regina Däschner und Horst Brehm, die seit mehreren Wochen das Areal akribisch erkunden.
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| "Gefunden haben wir Reste eines "Paternosters", einer mittelalterlichen Gebetsschnur: kleine Knochenscheibchen, ringartig aufgereiht. Außerdem ein Pilgerzeichen, ein bärtiges Männerhaupt aus Blei mit Ösen, so etwa wie ein größerer Button, den sich die Wallfahrer als Erkennungszeichen auf die Kleidung nähten." Gefunden wurden diese Überreste in der mit Abraum aufgefüllten Anlage des einstigen Stadtgrabens (um 1410). Allerdings erlaube zum Beispiel das Pilger-Abzeichen keine wirklich genaue Datierung, denn es sei ein Massenartikel gewesen und habe sich im Laufe längerer Zeit nicht wesentlich verändert. Aus dem eigentlichen Hausrat der Bewohner im Mittelalter hätten sich allerdings Fragmente einer tönernen Gluthaube und ein Feuerstein mit Schlagspuren gefunden, wenngleich es keine authentische Nutzungsschicht aus der Erstbewohnung gebe, sondern nur die tiefer reichenden Fundamente. Nichts Spektakuläres an Funden also, aber doch eine Freude für die geduldigen Forscher. ?Wir müssen halt auch mit Kommentaren wie neulich leben: Da kam ein Syrer vorbei und bemitleidete mich für meine Arbeit. Er meinte, ich solle mal nach Syrien fahren, dort ausgraben, denn da fände ich sicherlich viel ältere und schönere Sachen?, erzählt Regina Däschner schmunzelnd.
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| Eines der sogenannten "doppelten Kopfbänder", datierbar auf den Anfang des 15. Jahrhunderts, ist im Erdgeschoss noch besonders deutlich zu sehen: "Das ist nur einer der Beweise dafür, dass das Haus ursprünglich ein reiner Fachwerkbau war", erklären die drei "Überzeugungstäter" in Sachen Archäologie und Denkmalschutz, wenngleich die dendrochronologische Untersuchung noch ausstünde (eine genaue Methode zur Altersbestimmung des Bauholzes anhand der Wachstumsringe der verwendeten Bäume). Die Originalbalken von ca. 1410 blieben erhalten und sichtbar, würden lediglich behutsam in ihrer Tragefähigkeit unterstützt, erläutert der Bauherr.
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| Ebenso bleibt im ersten Stock die gut 600 Jahre alte "Spaltbohlendecke" der sogenannten "Bohlenstube" bestehen, die als kuschelig warme Stube nun auch im 21. Jahrhundert wieder instandgesetzt werden soll. Denn: "Die ursprüngliche Raumaufteilung möchte ich im 1. Stock wieder aufnehmen", erklärt Andreas Konopatzki. Der Holzwurm hat das rußimprägnierte Baumaterial zum Glück verschmäht. Selten zu sehen: In der aufgebrochenen Außenwand ist noch das originale, bautypische Weidenruten-Lehmflechtwerk zu erkennen. Im Erdgeschoss wurde das Fundament einer Küchen-Feuerstelle und darüber Reste eines Schlotes freigelegt. Eine weitere Feuerstelle muss sich auf der linken Seite des Erdgeschosses befunden haben. Ein Brunnen verband einst das Anwesen mit dem Nachbarhaus. Das Haus verfügt über ein Hinterhöfchen, hatte wohl eine Latrine und entleerte seine flüssigen Abfälle in das Abwasserkanalsystem der Stadt hinunter ins Taubertal, den "Seelbaddolen".
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| Über dem kleinen Tor rechts vom Hauseingang steht mit Kreide "Goggothek" angeschrieben. Ein Scherz? Nein, meint "Goggo"-Liebhaber Andreas Konopatzki, der im Erdgeschoss für seine Kleinautos einen Standplatz einrichten möchte mit Werkstatt. Ein größeres Auto ging auch nicht durch das schmale Tor, das streng im Sinne des Denkmalschutzes renoviert wird wie die beiden Fenster zum zukünftigen Büro links vom Hauseingang. "Diese werden baugeschichtlich korrekt verkleinert", erzählt der Hausbesitzer. Zu aller Lebensqualität in der Judengasse fehlt jetzt noch, dass sie für die vielen Kinder dort endlich zur "Spielstraße" (Schrittgeschwindigkeit) erklärt wird.
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